Liebe Modellbahn-Freunde,

seit der Vorstellung unseres neuen RMX-Systems im Jahr 2008 auf der Nürnberger Spielwarenmesse und folgenden Messen wird über RMX mitunter recht kontrovers diskutiert. Wir möchten uns an dieser Stelle nicht an der Diskussion beteiligen, aber einige Missverständnisse und Fehlinformationen aufnehmen und versuchen, diese zu korrigieren.

Wir haben uns erlaubt, die zentralen Fragen zu sammeln und sie um Antworten zu ergänzen.

 

Warum ein neues System?

Mit dem neuen RMX-System hat rautenhaus digital® sein bewährtes auf dem Selectrix-Standard basierendes rautenhaus digital®-Modellbahnsteuerungssystem zukunftsorientiert weiterentwickelt. Die Entwicklung richtet sich am Markt aus, auf dem zunehmend Fahrzeuge mit fertig eingebauten DCC-Fahrzeugdecodern angeboten werden und es eine starke Tendenz zum Betrieb einer Modellbahn mit einer PC-Steuerung gibt, für den ein schneller und sicherer Schalt- und Meldebus benötigt wird.

Diese Vorgaben führten zu einer klar strukturierten Entwicklung, in der die Erfahrungen der letzten Jahre einfließen konnten. Im Mittelpunkt der Neuentwicklungen steht natürlich die Zentraleinheit RMX950 und ab 2011 die RMX7950usb. Als wichtigste Änderung erfolgte hier die Trennung von Gleissignal und Bussignal des RMX 0-Busses. So lassen sich auf der Schiene Gleissignale nach Bedarf in jedem der unterstützten Protokolle (DCC, Selectrix2, Selectrix1) erzeugen, ohne die vom Selectrix-Format bekannte hohe Reaktionsgeschwindigkeit im RMX 0-Bus System zu reduzieren. Protokollbedingte Geschwindigkeiten des Gleissignals lassen sich auch durch das intelligente RMX-Format nicht verändern, jedoch sorgt das RMX-Format für eine garantierte Geschwindigkeit von 76ms, mit der Änderungen im Fahrbetrieb von den Bediengeräten wie Handregler, Fahrpulte oder PC per Interface zum Lokdecoder übermittelt werden.

RMX 1-Bus

Der RMX 1-Bus entspricht dem herkömmlichen SX1-Bus und wurde nicht geändert.

RMX 0-Bus

Intern arbeitet das System auf dem RMX 0-Bus mit 112 Systemkanälen, von denen 103 den anzusprechenden Lokadressen dynamisch zugeteilt werden. Gleichzeitig wurde auf dem RMX 0-Bus der Informationsgehalt erhöht, ohne die Reaktionsgeschwindigkeit von 76ms zu verringern (intelligentes Multiplexing). Dadurch können je Adresse bei Bedarf bis zu 127 Fahrstufen und 16 Sonderfunktionen angesteuert werden. Eine Erweiterung auf noch mehr Funktionen ist möglich.

Die Ausgangsleistung der Zentraleinheit wurde auf 3A erhöht und auf dem Programmiergleis ist nun auch das Testen von Fahrzeugen möglich. Die Zentralen sind in moderner SMD-Technik als Zwei-Prozessor-Zentrale (RMX950) bzw. Drei-Prozessor-Zentrale (RMX7950usb)  ausgeführt und damit auf zukünftige Systemerweiterung vorbereitet.

 

Neue Bediengeräte und Kompatibilität zu Altgeräten

Des Weiteren bedarf es bei einer solch umfangreichen Erweiterung eines Systems auch neuer Bediengeräte um die neuen vielfältigen Ansteuerungsmöglichkeiten nutzen zu können. Hier konnten wir auf unsere bisherigen Geräte zurückgreifen, da diese schon als updatefähige Geräte mit den entsprechenden Ansteuerfunktionen ausgelegt waren. Deshalb können wir für unser Fahrpult SLX844 (eingeschränkte Nutzbarkeit nur mit 4-stelligen Loknummern)  mit 10 Funktionstasten und unseren Handregler SLX845 sowie für unseren Funkhandregler SLX845F kostengünstige Updates anbieten.

Um Anwendern mit älteren reinen SX-Handreglern wie zum Beispiel unserem alten Fahrpult SLX844 oder jedem bisherigen reinen SX-Handregler anderer Hersteller auch die Möglichkeit zu bieten, diese im neuen System einzusetzen, gibt es eine Software- und auch eine Hardware-Anbindung.  Somit ist auch dann die volle Kompatibilität vom SX-Bus zum neuen RMX 0-Bus gegeben. Lediglich der Bedienumfang der Altgeräte fällt in der Regel gegenüber den neueren Geräten geringer aus.

 

Interface und Steuerungsprogramme

Da mit der Einführung des RMX-Formates auch der Informationsaustausch sowie die Systemfunktionen in Verbindung mit PC-Programmen gewaltig gestiegen sind, ist eine neue Gerätegeneration unseres Interfaces entwickelt worden. Auch hier konnten wir auf unsere bekannte Hardware des SLX852 zurückgreifen und konnten dieses durch vielfältige Programmerweiterungen zum RMX952 weiterentwickeln. Aufgrund der gleichen Bauweise lässt sich natürlich auch das SLX852 problemlos für Bestandskunden zum RMX952 updaten. In der neueren Zentraleinheit RMX7950usb ist die Interfacefunktion als direkter USB-Anschluss dierkt integriert worden und ein externes Interface fällt hier weg. 

Um das neue RMX-System zusätzlich zu den Handsteuergeräten noch komfortabler bedienen zu können, wurde die RMX-PC-Zentrale entwickelt. Mit der RMX-PC-Zentrale können alle Funktionen des Systems bedient werden. Sie bietet mehrere Steuerpulte für die Fahrzeugansteuerung, alle Lokdecoder-Programmiermethoden, Busmonitore, Translaterfunktionen, Programmier- und Steueroberflächen für Funktionsdecoder, Besetztmelder und andere Steuergeräte sowie virtuelle Interfaces.

Ein virtuelles Interface verbindet Modellbahnsteuerungsprogramme über nur ein Interface mit dem RMX-System, wobei die Steuerung des RMX-Systems gleichzeitig vom Modellbahnsteuerungsprogramm und über die RMX-PC-Zentrale erfolgen kann. Hierdurch können auch reine Selectrix-Steuerungsprogramme (z.B. DKE, Soft-Lok, TrainController 5.8 oder MES Modellbahnsteuerung) zur Steuerung des RMX-System verwendet werden – inklusive der Steuerung von DCC- und Selectrix2-Lokomotiven.

Für reine PC-Modellbahner kann die RMX-PC-Zentrale auch alle sonstigen Handsteuergeräte ersetzen und hat viele Funktionen die in Handsteuergeräten so nicht zur verfügung stehen können.

 

Wieso „müssen“ DCC und Selectrix® integriert werden?

Am Markt finden sich zunehmend Fahrzeuge mit fertig eingebauten DCC-Fahrzeugdecodern, deren Decoder nur mit erheblichem technischem und finanziellem Aufwand gegen Decoder in anderen Formaten ausgetauscht werden können. Dies betrifft vor allem Fahrzeugmodelle mit vielen Sonderfunktionen wie Funktionsmodelle oder Fahrzeuge mit Geräuschbausteinen.

Erschien hier früher die Möglichkeit, acht oder 16 DCC-Fahrzeuge im Selectrix-Betrieb mitlaufen zu lassen als ausreichend, so wurden diese Systemgrenzen in letzter Zeit von den Anwendern immer häufiger als Einengung wahrgenommen. Zusätzlich wurde der freizügige Einsatz der DCC-Fahrzeuge bisher dadurch erschwert, da eine Ansteuerung der DCC-Fahrzeuge in allen Selectrix-Systemen per PC-Software nicht erfolgen konnte.

Bei der Weiterentwicklung des rautenhaus digital®-Systems zum RMX-System wurde daher eine vollständige Unterstützung des DCC-Gleisformats in das Lastenheft aufgenommen. Dies bedeutet, dass im DCC-Format Lokomotiven sowohl mit kurzen als auch mit langen (vierstelligen) Lokadressen angesteuert werden und sowohl 14, 28 und 126 Fahrstufen sowie der volle, im Standard definierte Umfang an Sonderfunktionen (F0-F16) nutzbar ist.

 

Warum RMX und nicht Selectrix2- Busformat?

Da unter objektiven Leistungsgesichtspunkten die Ansprache von Lokdecodern im Selectrix2-Format schnell und sicher – und somit zukunftsweisend – ist, unterstützen wir das Selectrix2-Gleisformat in vollem Umfang im RMX-System.

Die in SX2-Bus- System der Firma D&H gegebene Begrenzung auf nur 16 gleichzeitig im Selectrix2-Format ansteuerbare Lokomotiven erschien uns als wenig zukunftssicher und damit unzweckmäßig. Zudem würde die im Jahr 2001 angedachte Erweiterung von Selectrix2 auf 64 gleichzeitig nutzbare Selectrix2-Lokomotiven im Selectrix2-Format die Reaktionsgeschwindigkeit auf ein Viertel des jetzigen Selectrix2-Protokolls verringern.

Insgesamt muss hier einfach festgehalten werden, dass das Selectrix2-Protokoll im Gegensatz zum RMX-Format oder dem Selectrix1-Protokoll ein lastabhängiges Protokoll ist und somit der wichtigste Vorteil des konstanten Timings als Grundvoraussetzung für eine Echtzeitsteuerung und eine sichere Anlagensteuerung per PC nicht mehr gegeben ist.

Die nachfolgende Tabelle stellt die Eigenschaften des Selectrix2- und des RMX-Formats vergleichend gegenüber:

 

Eigenschaft

Selectrix2-Format

RMX-Format

Bussysteme

SX2

RMX0/RMX1

Gleichzeitig steuerbare SX1-Lokomotiven

103

103

Gleichzeitig steuerbare SX2-Lokomotiven

16

103

Gleichzeitig steuerbare DCC-Lokomotiven

16

103

Gleichzeitig steuerbare Adressdynamik-Loks

0

103

Zentrale Lokdatenbank

Nein

Ja

Loknamen in der Zentrale verwaltbar

Nein

Ja

Reaktionsgeschwindigkeit SX alleine

              13 mal/Sekunde

              13 mal/Sekunde

Reaktionsgeschwindigkeit SX/ DCC gemischt

              5,3 - 3,5 mal/Sekunde

              13 mal/Sekunde

Reaktionszeit SX2

              5,3 mal/Sekunde

              13 mal/Sekunde

Reaktionszeit Adressdynamik

              Nicht unterstützt

              13 mal/Sekunde

Reaktionszeit Busse
(
Fahren, Schalten, Melden )

              5,3 - 3,5 mal/Sekunde

              13 mal/Sekunde

 

Messung des Zeitverhaltens an einer Trix mobile station

 

Die obige Tabelle zeigt ganz klar dass das Selectrix2-Format keinerlei Vorteile gegenüber dem RMX-Format aufweist.

Betrachtet man dagegen die reinen Gleisprotokolle, als die „Sprache“, mit der die Lokdecoder elektrisch angesprochen werden, so ergibt sich folgendes Bild:

Die Ansteuerung einer Lokomotive dauert im Selectrix-Format 76ms, im Selectrix2-Format 3,6ms und im DCC-Format 10ms bis ca. 40ms (variierend je nach Funktionsumfang, langer/kurzer Adresse und Anzahl der Fahrstufen). Betrachtet man jedoch die Zeiten bei der gleichzeitigen Ansteuerung von 103 Lokomotiven, so zeigt sich die Lastunabhängigkeit des Selectrix-Formats durch eine konstante Zeit von 76ms, während im Selectrix2-Format 360ms und im DCC-Format 1000ms bis ca. 4000ms benötigt werden.

Das Selectrix2 Gleisprotokoll weist also gegenüber DCC deutliche Vorteile auf, während die Lastunabhängigkeit des Selectrix-Formats gegenüber Selectrix2 erst bei ca. 21 gleichzeitig fahrenden Lokomotiven zum Tragen kommt. Dabei ist jedoch zu Bedenken, dass im Selectrix2-Format mehr Informationen (40 Bit bei Selectrix2 im Gegensatz zu 8 Bit bei Selectrix) übertragen werden. Da das Gleisprotokoll zur Ansprache eines Selectrix2-Lokdecoders also sehr effizient ist, fand es Eingang in das RMX-System – allerdings konsequent der Philosophie des intelligenten Multiplexing folgend und nur als Gleisprotokoll.

Im RMX-System werden Änderungen garantiert innerhalb der oben genannten 76ms übermittelt, während die Refresh-Zeiten (wiederholende Übermittlung der Steuerungsinformationen der aktiven Fahrzeuge) abhängig von der Anzahl der aktiven Fahrzeuge und deren Protokoll ist.
 

 

Wer verlässt das sichere Selectrix-Format?

Diese Frage kann gegenwärtig nur jeder Anbieter für sich beantworten. Fakt ist aber, dass das RMX-Format das Selectrix-Protokoll in vollem Umfang unterstützt, das RMX-System eine weitestgehende Kompatibilität bzw. Integrierbarkeit von Geräten aus den bisherigen Selectrix-Systemen aufweist und von rautenhaus digital® alle Komponenten des bisherigen Systems auch weiterhin angeboten werden.

Mit der Entwicklung des RMX-Systems wurde also grundsätzlich das Selectrix-Format nicht aufgegeben, sondern konsequent weiterentwickelt, was de facto bereits seit 1993 geschehen ist. Im Gegensatz zu der parallel in den Markt kommenden Selectrix2 Entwicklung der Firma Doehler&Haass mit Updates von Trix-Altgeräten und dem Trix-mobile station-Format hat das RMX-Format aber das größere Potenzial und damit auch die größere Zukunftssicherheit.

Da beim RMX-Format der Schalt- und Meldebus (RMX 1) vom Gleisbus (RMX 0) getrennt wurde, konnte die Busgeschwindigkeit beibehalten werden und die Anzahl der angesprochenen Datenformate auf der Schiene beeinflussen die Busgeschwindigkeit nicht. Grundsätzlich ist ein RMX-System ein Zwei-Bus-System, wodurch auch die Anzahl der Lokadressen keinen Einfluss auf die Menge der ansteuerbaren Schalt- und Meldefunktionen hat. In Selectrix2-Bus-Systemen ist ein synchrones Verhalten zwischen Gleissignal und Bussignal zwingend erforderlich. Somit wird in einem solchen System auch die Reaktionsgeschwindigkeit von Schalt- und Meldebausteinen zwangsläufig auch durch den Fahrbetrieb beeinflusst.

Bei der Entwicklung neuer Komponenten wie auch der Weiterentwicklung bestehender Komponenten werden wir die vorstehend bereits genannte Kompatibilität bzw. Integrierbarkeit natürlich auch pflegen.

Somit bleibt rautenhaus digital® dem Selectrix-Format gleich doppelt treu, gibt dem Selectrix-Format durch das RMX-Format neue Impulse und sorgt durch die Kompatibilität bzw. Integrierbarkeit für einen Werterhalt der Selectrix-Geräte.

 

Sinneswandel bei rautenhaus digital®?

Das Einführen des RMX-Systems mit einem Sinneswandel zu vergleichen, ist genauso grundlegend falsch, wie die Zeichen und die Entwicklung des Marktes zu ignorieren. rautenhaus digital® unterstützt nach wie vor das Selectrix-Format – und wird dies auch weiterhin tun. Die Kompatibilität zum SX1-Bus bzw. die Integrierbarkeit von SX1-Geräten auch in das RMX-System zeigt vielmehr, wie sehr rautenhaus digital® seiner langjährigen Philosophie treu geblieben ist!

 


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